Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom)


Bei Schilddrüsenkrebs handelt es sich um eine seltene, bösartige Krebserkrankung, die durch entartete Zellen der Schilddrüse entsteht. Betroffen sind dabei meist Menschen im 6. und 7. Lebensjahrzehnt, wobei Frauen mehr als doppelt so häufig an Schilddrüsenkrebs erkranken wie Männer. Insgesamt treten in Deutschland pro Jahr rund 5000 neue Fälle von Schilddrüsenkrebs auf.

Schilddrüse© lom123 / Fotolia

Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs ist eine bösartige Neubildung der Schilddrüse und gehört zu den seltenen Erkrankungen der bösartigen Neubildungen (Platz 16 bei den Männern und Platz 14 bei den Frauen der häufigsten Krebsneuerkrankungen, Robert-Koch-Institut 2006). Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 55 Jahren, so dass statistisch die höchste Wahrscheinlichkeit im 6. und 7. Lebensjahrzehnt besteht. Frauen sind mehr als doppelt so häufig von Schilddrüsenkrebs betroffen wie Männer. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 5000 Menschen an Schilddrüsenkrebs und ca. 700 Menschen sterben daran (Robert-Koch-Institut 2006). Damit sind 0,2 bis 0,3 Prozent der krebsbedingten Todesfälle durch Schilddrüsenkrebs bedingt.

Weltweit nimmt die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs in allen Altersklassen zu. Für die meisten Schilddrüsenkarzinome bestehen bei rechtzeitiger Erkennung sehr gute Heilungschancen. Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Diagnostik, Therapie und Nachsorge, also der gesamten Versorgungskette für einen Patienten, ist die Zusammenarbeit zahlreicher Fachdisziplinen. Dabei unterliegen alle Strukturen einer kontinuierlichen Weiterentwicklung auf der Basis der aktuellen Leitlinien.

Entstehung von Schilddrüsenkrebs

Krebserkrankungen sind die Folge bösartiger Neubildungen durch entartete Zellen der Schilddrüse. Beim Schilddrüsenkrebs können Zellen entarten, die Schilddrüsenhormone bilden, und sogenannte C-Zellen, die um die schilddrüsenhormonbildenden Zellgruppen gelagert sind und das Hormon Calcitonin bilden. Die Gewebeart ist für die Behandlung und Prognose von Schilddrüsenkrebs von großer Bedeutung. Ein besonderes Augenmerk erfordern dabei knotige Schilddrüsenveränderungen, die sich in der Diagnostik als „kalte Knoten“ (funktionsarmes oder funktionsloses Schilddrüsengewebe) darstellen und gehäuft im Zusammenhang mit einem Schilddrüsenkrebs stehen.

Schilddrüsenkrebs kann wie jeder bösartige Tumor in umliegendes Gewebe einwachsen. Außerdem können sich Tochtergeschwülste (Metastasen) durch Tumorzellstreuung über die Lymphgefäße in umgebende Lymphknoten und über die Blutbahn bevorzugt in Lunge (Lungenmetastasen) und Knochen bilden. Eine Form von Schilddrüsenkrebs kann in 1/4 bis 1/3 der Fälle familiär gehäuft auftreten und zusätzlich mit der Neubildung von Tumoren des Nebennierenmarks sowie der Nebenschilddrüsen vergesellschaftet sein.

Ursachen von Schilddrüsenkrebs

Nicht alle Ursachen für Schilddrüsenkrebs sind bisher eindeutig geklärt. Gesicherte Ursache für die Entstehung von Schilddrüsenkrebs ist die Einwirkung ionisierender Strahlung. Als besonders problematisch wird zum Beispiel die Röntgenbestrahlung des Halsbereiches im Kindesalter angesehen. Auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde in den besonders betroffenen Gebieten von Wissenschaftlern ein Zusammenhang zwischen der Intensität der Strahlung und der Häufung von Schilddrüsenkrebs bei Kindern festgestellt.

Eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma, auch Kropf genannt) ist allein betrachtet kein Risikofaktor für eine Krebsentstehung. Erst bei bestimmten Veränderungen des Gewebes oder Knotenbildungen ist spezielles ärztliches Handeln erforderlich. Bei den seltenen vererbbaren Tumoren stehen Untersuchungsmethoden zur Feststellung dieser besonderen Erkrankung zur Verfügung.

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Symptome von Schilddrüsenkrebs

Am Anfang des Schilddrüsenkrebses liegen meist keine Beschwerden (Symptome) vor. Eine sofortige Arztvorstellung wird empfohlen, wenn eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma, Kropf) innerhalb weniger Wochen entsteht und sich sehr derb anfühlt. Das gleiche gilt, wenn eine lange bestehende Struma plötzlich weiterwächst. Eine Zunahme des Halsumfanges kann man durch eine Messung feststellen. Meist fällt auf, dass sich der oberste Hemd- oder Blusenknopf nicht mehr schließen lässt. Ein Achtungszeichen sind tastbare derbe Knoten im Halsbereich. Dies können Lymphknotenvergrößerungen sein.

In den meisten Fällen wird ärztliche Hilfe benötigt, um eine gutartige Struma von einem bösartigen Schilddrüsenkrebs zu unterscheiden. Einige Beschwerden erklären sich aus der Lage der krankhaft veränderten Schilddrüse auf der Luftröhre und der Nähe zum Kehlkopf, der Speiseröhre und des Stimmbandnervs, der hinter der Schilddrüse verläuft. So muss ein Druckgefühl im Hals, Schluckbeschwerden, eine Luftnot oder Hustenreiz nicht zwangsläufig eine bösartige Erkrankung erklären. Eine sofortige Arztvorstellung sollte bei einer plötzlichen Heiserkeit erfolgen, um die Ursache dieses Symptoms abzuklären.

Am häufigsten wird die Diagnose Schilddrüsenkrebs nach der Operation einer knotig veränderten Struma und der sorgfältigen Gewebeuntersuchung durch den Pathologen gestellt.

Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Wie bei jeder Krebserkrankung ist eine frühzeitige Erkennung wichtig für eine rechtzeitige Einleitung der speziellen Diagnostik und Therapie und damit eine wesentliche Voraussetzung für gute Heilungschancen. Wichtig sind dem Arzt Ihre Schilderung der Beschwerden und deren Dauer. Sehr nützlich sind Informationen zu Krebserkrankungen in Ihrer Familie oder eventuellen Belastungen mit ionisierender Strahlung aus der Kindheits- und Jugendzeit. Zu den Untersuchungsmethoden zur Abklärung von Schilddrüsenkrebs gehören:

  • Tastuntersuchung des Halses
  • Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse
  • Szintigrafie der Schilddrüse
  • Laboruntersuchungen
  • Bildgebende Untersuchungsverfahren (Röntgen, CT, MRT)
  • Feinnadelbiopsie
  • genetische Analyse

1. Tastuntersuchung des Halses:

Die Schilddrüse kann vom Arzt mit den Fingern beider Hände getastet werden. Dabei erhält man erste Informationen zur Größe und Oberfläche des Organs. Wichtig sind dabei die Prüfung der Schluckverschieblichkeit der Schilddrüse sowie eine Aussage, ob sich die Knoten besonders derb anfühlen. Zudem wird die Halsregion nach auffälligen tastbaren Lymphknoten abgetastet.

2. Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse:

Die Ultraschalluntersuchung gibt Informationen zur Lage, Größe und Begrenzung der Schilddrüse und eventuellen Knoten in der Schilddrüse. Da Gewebeveränderungen das Ultraschallsignal unterschiedlich reflektieren, kann man über die Information „echoarm“ oder „echoreich“ erste Aussagen zu den krankhaften Veränderungen treffen. Eine definitive Klärung der Gut- oder Bösartigkeit der Knoten ist mit dieser Methode noch nicht möglich. Es kann jedoch geklärt werden, ob eine weiterführende Untersuchung, wie zum Beispiel eine Szintigrafie, notwendig ist.

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse© lom123 / Fotolia

3. Szintigrafie der Schilddrüse:

Bei der Szintigrafie wird eine schwach radioaktive Substanz verabreicht (Technetium), die sich im Schilddrüsengewebe anreichert und eine Aussage zur Stoffwechselaktivität gibt. Knotige Areale mit reduzierter oder ohne Stoffwechselaktivität sind „kalte Knoten“ und erfordern eine besondere Kontrolle bzw. Abklärungspflicht. Nach operativer Entfernung einer Schilddrüse mit Schilddrüsenkrebs kann die Szintigrafie bei den meisten Tumorformen zur Suche nach Tochtergeschwülsten (Metastasen) genutzt werden.

4. Laboruntersuchung:

Bei der Laboruntersuchung werden spezielle Schilddrüsenwerte bestimmt, die eine Aussage zur Aktivität der Schilddrüse geben (TSH, fT3, fT4). Nur für eine Form des Schilddrüsenkrebses steht ein Tumormarker (Calcitonin) zur Verfügung, der die frühzeitige Erkennung dieser Tumorart ermöglicht. Gegebenenfalls wird noch ein Spezialtest zur Kontrolle dieses Wertes angeschlossen. Die meisten Formen von Schilddrüsenkrebs sind jedoch nicht durch Laboruntersuchungen feststellbar. Neben den Routinewerten für die Narkose bei Schilddrüsenoperationen wird der Kalziumwert vor und nach einer Operation bestimmt, der eine Grobinformation zur Funktion der Nebenschilddrüsen gibt. Dies hat eine Bedeutung im Zusammenhang mit der Schilddrüsenoperation.

5. Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT):

Zusätzliche Informationen können bei entsprechender Notwendigkeit aus speziellen Untersuchungen gewonnen werden. Eine Röntgenaufnahme der Luftröhre- oder Speiseröhre gibt Auskunft über eine Einengung dieser Strukturen durch den Tumor. Die Röntgenaufnahme des Brustkorbes gibt ebenfalls einen Anhalt für das Wachstum der Schilddrüse in den oberen Brustkorbbereich und dient bei Tumornachweis der Suche nach Tochtergeschwülsten in der Lunge. Mit Spezialuntersuchungen, wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie, erhält man detaillierte Informationen bei großen Tumoren zum Einwachsen in umgebende Strukturen, was für die Therapieentscheidung wichtig ist. Ihr Arzt wird sehr kritisch prüfen, ob eine Computertomographie mit Kontrastmittel eingesetzt werden kann, weil das Kontrastmittel jodhaltig ist und für die meisten Schilddrüsenkrebsformen die Nachbehandlung mit radioaktiv markiertem Jod unmöglich machen würde.

6. Feinnadelbiopsie:

Bei einer Feinnadelbiopsie werden unter Ultraschallsicht verdächtige „kalte Knoten“ punktiert, um Zellen zur mikroskopischen Untersuchung zu gewinnen. In einigen Fällen kann damit schon vor der Operation die Art des Schilddrüsenkrebses bestimmt werden. Dennoch hat diese Methode Grenzen, so dass nicht jede Untersuchung einen Schilddrüsenkrebs nachweisen oder sicher ausschließen kann. In diesen Fällen erfolgt die endgültige histologische Abklärung nach operativer Entfernung der verdächtigen Schilddrüse.

Mikroskop
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7. Genetik:

Bei Nachweis eines Schilddrüsenkrebses aus den C-Zellen, genannt medullärer Schilddrüsenkrebs, ist durch eine genetische Analyse (Nachweis der RET-Protoonkogen-Mutation) eine Aussage zur familiären Häufung und der Notwendigkeit der Untersuchung von Familienmitgliedern möglich. Außerdem werden mit dieser Analyse Informationen zum Zusammenhang dieser speziellen Schilddrüsenkrebs-Erkrankung mit anderen Erkrankungen, wie Tumoren des Nebennierenmarkes bzw. der Nebenschilddrüse gewonnen.

Die Diagnostik des Schilddrüsenkrebses erfordert ein umfangreiches Muster verschiedener Untersuchungen aus zahlreichen Fachdisziplinen. Die intensive Zusammenarbeit ist eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Wirken für den Patienten. Trotz vieler spezieller Verfahren ist jedoch auch heute noch in zahlreichen Fällen erst eine endgültige histologische Abklärung mit dem Ausschluss oder Nachweis eines Schilddrüsenkrebses nach operativer Behandlung der Schilddrüse möglich. Aus Betrachtung aller diagnostisch erhobenen Befunde wird Ihnen Ihr Arzt die Empfehlung zur Operation bzw. zur weiteren Befundkontrolle geben.

Behandlung von Schilddrüsenkrebs

Für die Behandlung von Schilddrüsenkrebs stehen mehrere Therapien zur Verfügung, die zum Teil als Behandlungskonzepte zusammengestellt werden. Die operative Entfernung der gesamten Schilddrüse sowie der umgebenden Halslymphknoten stellt entsprechend der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie den Regeleingriff bei Schilddrüsenkrebs dar. Bei den meisten Formen von Schilddrüsenkrebs folgt die Radiojodtherapie. Dieses Behandlungskonzept stellt die häufigste Therapieform bei Schilddrüsenkrebs dar und ist sehr erfolgreich. Nur selten kommt bei besonderen Tumorfällen die Strahlentherapie oder eine Chemotherapie zum Einsatz.

Das Behandlungskonzept bei Schilddrüsenkrebs wird von der Gewebeart bestimmt, die im Krebstumor nachgewiesen wird. Bei den Formen des Schilddrüsenkrebs wird unterschieden in:

  • differenzierte Schilddrüsenkarzinome (papilläres und follikuläres Schilddrüsenkarzinom)
  • medulläres Schilddrüsenkarzinom
  • undifferenziertes Schilddrüsenkarzinom (anaplastisches Karzinom)
  • andere bösartige Tumore in der Schilddrüse

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Papilläres Schilddrüsenkarzinom

Dies ist die häufigste Form von Schilddrüsenkrebs. Es können in der Schilddrüse ein oder mehrere Herde nachgewiesen auftreten. Sollte dieser Tumor Tochtergeschwülste bilden, so erfolgt dies zuerst über die Lymphbahnen in die umgebenden Lymphknoten. Das papilläre Schilddüsenkarzinom hat die besten Heilungschancen (Zehn-Jahres –Überlebensrate ca. 93 Prozent). Aufgrund der Kenntnisse zur Tumorbiologie ist bei dieser Art von Schilddrüsenkrebs bei einem einzelnen kleinen Tumor (bis 1cm Größe, genannt Mikrokarzinom) nicht die vollständige Schilddrüsenentfernung und Entfernung der Halslymphknoten erforderlich.

Bei größeren Tumoren oder Nachweis mehrerer Tumoren setzt sich die Therapie aus der operativen Entfernung der gesamten Schilddrüse mit der Entfernung der Halslymphknoten zwischen den beiden Halswendermuskeln und nachfolgender Radiojodtherapie zusammen. Wird der Krebsbefund als Zufallsbefund einer normalen Schilddrüsenoperation festgestellt, so erfolgt schnellstmöglich die Nachoperation.

Follikuläres Schilddrüsenkarzinom

Diese Form von Schilddrüsenkrebs ist ebenfalls häufig. Auch hier gibt es sehr gute Heilungschancen (Zehn-Jahres-Überlebensrate ca. 85 Prozent), wobei dies jedoch von einer weiteren Unterteilung in spezielle Untergruppen dieser Form von Schilddrüsenkrebs abhängig ist. Bevorzugt treten Krebsabsiedlungen über den Blutweg in Lunge und Knochen auf, aber auch Lymphknoten können befallen sein. Nach neuen Erkenntnissen ist auch bei dieser Krebsform in einer bestimmten Subgruppe bei Nachweis eines „Mikrokarzinom“ keine ausgedehnte Schilddrüsenentfernung und Lymphknotenentfernung erforderlich. Standardtherapie für alle anderen Tumoren ist auch hier die vollständige Schilddrüsenentfernung mit den umgebenden Halslymphknoten sowie die nachfolgende Radiojodtherapie.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Diese Form von Schilddrüsenkrebs ist selten. Sie ist die einzige Krebsform, für die ein Tumormarker (Calcitonin) zur Verfügung steht, der durch eine Blutabnahme bestimmt werden kann. Da sich diese Krebsart aus den sogenannten C-Zellen bildet, ist hier wegen fehlender Jodspeicherung auch keine Radiojodtherapie möglich. Daher stellt die operative Behandlung die Methode der Wahl dar. Aufgrund der frühzeitigen Lymphknotentochtergeschwülste ist neben der vollständigen Schilddrüsenentfernung noch eine umfangreichere Entfernung von Halslymphknoten und in einigen Fällen von Lymphknoten im Brustkorbbereich erforderlich. Nur bei fortgeschrittenen Tumoren werden umgebende Organe mitentfernt.

Die durchschnittliche Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei 75 Prozent. Ausschlaggebend für die Prognose sind die schilddrüsenüberschreitende Tumorausbreitung und der Nachweis bzw. das Fehlen von Tochtergeschwülsten. Bei dieser Form von Schilddrüsenkrebs ist eine genetische Analyse erforderlich, um eine familiäre Häufung bzw. die Kombination mit anderen Erkrankungen abzuklären. Die Behandlung von betroffenen Familienangehörigen erfolgt durch ein individualisiertes Therapiekonzept, welches von der speziell festgestellten genetischen Veränderung bestimmt wird.

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Undifferenziertes (anaplastisches) Karzinom

Dieser seltene Schilddrüsenkrebs ist sehr bösartig und tritt eher bei älteren Patienten auf. Aufgrund des sehr schnellen Tumorwachstums in die Umgebung sowie der Tochtergeschwülste ist eine heilende operative Behandlung nicht immer möglich. Zur Vermeidung von Komplikationen durch den Tumor wird eine Strahlentherapie durchgeführt.

Andere bösartige Tumore der Schilddrüse

Viele sehr seltene Tumoren, die nicht in Schilddrüsenzellen entstanden sind, können eine bösartige Erkrankung in der Schilddrüse verursachen. Bedeutsam sind Lymphome und Tochtergeschwülste von anderen Organen (z.B. nach Nierenkrebs). Die Behandlung wird durch die Grunderkrankung bestimmt.

Unterschiedliche Therapien je nach Form des Schilddrüsenkrebs

Die Erläuterungen zeigen, dass jede Form von Schilddrüsenkrebs eine spezielle Therapie verlangt. Auch hier ist die Zusammenarbeit der Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen der Grundbaustein einer erfolgreichen Therapie für jeden Patienten. Dabei werden neue Erkenntnisse in die Behandlung eingebaut. Die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK) gestaltet und überarbeitet mit Vertretern von Fachgesellschaften und Organisationen aus nationalen und internationalen wissenschaftlich bewiesenen Erkenntnissen die „Leitlinie der operativen Therapie bei malignen Schilddrüsenerkrankungen“ (Schilddrüsenkrebs).

Operation bei Schilddrüsenkrebs

Die Operation bei Schilddrüsenkrebs erfolgt unter stationären Bedingungen. Ihr Hausarzt oder Nuklearmediziner wird Ihnen eine Klinik empfehlen können, die eine Expertise für die Behandlung dieser Erkrankung hat. Die Operation erfolgt in Vollnarkose. In den meisten Fällen reicht ein 4 bis 5 cm großer Schnitt, analog zur normalen Schilddrüsenoperation, oberhalb der Kehlgrube zur Entfernung der Schilddrüse und der umliegenden Lymphknoten. Nur bei fortgeschrittenen Befunden ist ein größerer Schnitt mit Erweiterung der Schnittführung entlang der Halswendermuskel und zum Brustbein hin erforderlich.

Struma Schnittfuehrung.pngMögliche Schnittführungen bei Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie); von THWZEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Wie bei der normalen Schilddrüsenoperation achtet der Chirurg bei der Operation besonders auf die Schonung der Stimmbandnerven und der Nebenschilddrüsen, um eine eventuelle postoperative Heiserkeit, Atembeschwerden und Krämpfe in der Hand- und Gesichtsmuskulatur zu vermeiden. Dank der ausgesprochenen Erfahrung von spezialisierten Schilddrüsenchirurgen und modernster Technik mit ständiger Kontrolle der Stimmbandnervenfunktion (Neuromonitoring) bereits während der Operation, sind diese Probleme selten. Nach der Operation sind gegebenenfalls zwei dünne Wunddrainagen für 1 bis 2 Tage zum Abfluss von Wundwasser erforderlich. In vielen Kliniken werden zur Linderung der Beschwerden nach der Operation bei Schilddrüsenkrebs Nackenmassagen oder Fango-Packungen angeboten. Der Gesamtaufenthalt beträgt ca. 1 Woche.

Verhaltensempfehlungen und Ernährung nach der Schilddrüsenkrebs-OP (bei geplanter Radiojodtherapie)

Je nach Tumorart (siehe Behandlungsprinzipien bei Schilddrüsenkrebs) folgt nach vier Wochen eine Radiojodtherapie. Da einige Formen von Schilddrüsenkrebs das Radiojod aufnehmen, können so kleinste verbliebene Schilddrüsenreste und auch Tochtergeschwülste (Metastasen) dieser Tumore entfernt werden. Voraussetzung für die Wirksamkeit dieser Therapie ist die vorausgegangene operative Entfernung der Schilddrüse. Bis zur Radiojodtherapie dürfen keine Schilddrüsenhormone genommen werden und auch eine intensive Nahrungsaufnahme von Jod (Seefisch, Algenpräparate) würde die Wirksamkeit der geplanten Therapie aufheben. Verwenden sie kein Jodsalz. Ärzte verzichten bewusst in dieser Phase auf eventuelle Computertomographien, da das Kontrastmittel für diese Untersuchung ebenfalls sehr jodhaltig ist.

Ohne Schilddrüsenhormone werden Sie eine verminderte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit verspüren. Jeder Patient nimmt dies unterschiedlich intensiv wahr. Meiden Sie in dieser Phase schwere körperliche Belastungen. Es besteht die Möglichkeit, diese Nebenwirkungen durch ein sehr spezielles Medikament (gentechnisch hergestelltes TSH) zu reduzieren. Ihr Arzt bzw. die Ärzte Ihrer vorgesehenen Spezialklinik für Nuklearmedizin können Sie dazu beraten.

Neben den ärztlichen Gesprächen zur Patientenberatung bei Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen gibt es ein bundesweites Selbsthilfe-Forum für Patienten mit Schilddrüsenkrebs, in dem die Möglichkeit besteht, mit anderen Patienten Erfahrungen mit der Erkrankung, mit Therapien und Medikamenten auszutauschen.

Die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs

Nach einer ambulanten Radiojodszintigraphie erfolgt die Aufnahme zur Radiojodtherapie in eine spezialisierte Klinik für Nuklearmedizin für 3 bis 5 Tage. Aus Strahlenschutzgründen dürfen Sie während dieser Zeit keinen Besuch empfangen. Viele dieser speziellen Kliniken sind sehr modern und angenehm eingerichtet, so dass der Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet wird. Da der größte Anteil des Radiojods nur von den jodspeichernden Restschilddrüsenzellen oder eventuellen jodspeichernden Tochtergeschwülsten aufgenommen wird, ist dies eine sehr wirksame Therapie ohne Schädigung anderer Organe.

Nach der Radiojodtherapie werden dem Patienten wieder Schilddrüsenhormontabletten verabreicht, damit sich die künstlich herbeigeführte Unterfunktion zurückbildet. Damit kann der Gesamtprozess der Behandlung ca. 8 Wochen in Anspruch nehmen. Über den Sozialdienst der Kliniken besteht die Möglichkeit einen Schwerbeschädigtenausweis für ein Jahr zu beantragen, der Ihnen einen Kündigungsschutz als Arbeitnehmer gewährt.

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Nachsorge nach der Behandlung von Schilddrüsenkrebs

Nach Abschluss der ersten Behandlung ist die Aufnahme in ein Tumornachsorgeprogramm sehr wichtig. Die Nachsorge wird von niedergelassenen spezialisierten Internisten (Schilddrüsensprechstunden), Onkologen oder Nuklearmedizinern durchgeführt. Sie sollten sich für einen Arzt entscheiden, der anhand all Ihrer bisherigen Befunde (Arztbriefe, Befunde) die strukturierte Organisation oder Durchführung der notwendigen ambulanten Untersuchungen veranlasst. In Abhängigkeit von den Erstbefunden werden nach detaillierten Abläufen

  • Blutuntersuchen
  • Ultraschalluntersuchungen
  • ggf. Röntgenaufnahmen
  • ggf. Kontrollszintigraphien

durchgeführt. Ziel dieser Nachsorge ist die Kontrolle Ihres Gesundheitszustandes unter der Schilddrüsenmedikation und der Ausschluss bzw. die rechtzeitige Erkennung eines Wiederauftretens der Krebserkrankung (Rezidiv).

Sport nach der Behandlung von Schilddrüsenkrebs

Sportliche Aktivitäten sind nach Erreichen des angestrebten Wirkspiegels der Schilddrüsenhormonmedikation möglich und unterstützen ein positives Lebensgefühl sowie das Vertrauen zum Körper nach einer Behandlung bei Schilddrüsenkrebs.

Medikamentöse Behandlung nach Schilddrüsenkrebs

Nach abgeschlossener chirurgischer Behandlung des Schilddrüsenkrebs und gegebenenfalls einer Radiojodtherapie erhalten Sie in Tablettenform Schilddrüsenhormone, die Sie täglich einmal einnehmen müssen. Dieses Medikament ersetzt das Hormon, welches vorher Ihre Schilddrüse gebildet hat. Damit erreichen Sie Ihre normale Leistungsfähigkeit wieder und werden auch wieder arbeitsfähig.

Es kann in Einzelfällen jedoch mehrere Wochen dauern, bis dieses Ziel erreicht ist. Ihr Arzt kontrolliert durch Blutabnahmen den Wirkspiegel des Medikamentes und wird die Dosis entsprechend der angestrebten Blutwerte individuell anpassen.

Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs

Wie bereits dargestellt, ist die Heilungsaussicht von Schilddrüsenkrebs in erster Linie abhängig von der Form (Gewebeart) des Schilddrüsenkrebses. Außerdem gilt die allgemeine Regel in der Krebsbehandlung: je früher ein Tumor festgestellt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten.

Bei den häufigsten Formen von Schilddrüsenkrebs (papillärer und follikulärer Schilddrüsenkrebs) bestehen nach Durchführung des Behandlungskonzeptes von Operation und Radiojodtherapie in der Regel sehr gute Heilungsaussichten. Auch bei den frühen Stadien des medullären Schilddrüsenkarzinoms sind die Heilungsaussichten als gut zu bezeichnen. Schwierig gestaltet sich die Heilung und Prognose bei den sehr schnell und sehr aggressiv wachsenden anaplastischen Schildrüsenkarzinomen.

Autoren:
Dr. med. Maik Sahm
Prof. Dr. med. Matthias Pross
Dr. med. Katharina Rubach