E-Zigarette – blauer Dunst ganz ohne Folgen?

E-Zigaretten liegen klar im Trend. Die Umsatzzahlen sprechen Bände: 2017 gingen doppelt so viele künstliche Glimmstängel über die Ladentheke wie im Vorjahreszeitraum. Kein Wunder – ist doch Tabakqualm immer mehr verpönt und fast ganz aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Doch sind die elektronischen Verdampfer wirklich eine „gesunde Alternative zu herkömmlichen Zigaretten“, wie in der Werbung versprochen? Und welche Vorteile bieten E-Zigaretten?

Die E-Zigarette hat wenig mit einem echten Glimmstängel gemein. Sie besteht profan gesagt aus einer mit Flüssigkeit gefüllten Patrone und einem akkugespeisten Verdampfer. Die Patrone enthält ein Gemisch aus Wasser, Propylenglykol und Glycerin (Lebensmittelzusatzstoffe E 1520 und E 422), Aromen sowie optional Nikotin. Bei jedem Zug wird eine kleine Liquidmenge freigesetzt und durch Erhitzen verdampft. Inzwischen konsumieren rund sieben Millionen Menschen in Europa die Alternative zu herkömmlichem Tabak. Doch nicht jeder kann sich mit dem wenig sinnlichen Qualm aus dem Chemielabor anfreunden. Und auch in der Fachwelt ist der Genuss des Liquids umstritten.

E-Zigarette

Harmlose Alternative oder Gefahr für die Gesundheit?

Viele Verbraucher halten E-Zigaretten für unbedenklich. Doch wer glaubt, die elektronische Alternative sei gänzlich unschädlich, irrt. E-Zigaretten sind wohl eher das kleinere Übel. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls mehrheitlich Mediziner und Fachverbände. Aufgrund fehlender Langzeitstudien ist die abschließende Evaluierung der Schädlichkeit von E-Zigaretten zwar noch schwierig. Doch es wäre fahrlässig, die Gefahr zu verharmlosen. Denn der Dampf enthält nicht nur Nikotin, sondern auch toxische, gesundheitsschädliche Substanzen. So das krebserregende Formaldehyd – wenn auch in weit geringeren Mengen als bei herkömmlichen Zigaretten. Laut Internationaler Agentur für Krebsforschung ist der Stoff an der Entstehung von Krebserkrankungen beteiligt – auch Lungenkrebs. Die genannten Schadstoffe sind übrigens auch in nikotinfreien Liquiden enthalten.

Nachgewiesen ist, dass der Dampf der E-Zigarette Irritationen in der Lunge hervorruft. Das zeigt eine kürzlich durchgeführte Studie, die im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht wurde. Die Forscher beobachteten im Sputum von E-Zigaretten-Rauchern eine deutliche Erhöhung der an der Immunabwehr beteiligten Proteine. Überraschend dabei: Die Veränderungen bei Liquidkonsumenten fielen sogar weitaus höher aus als bei herkömmlichen Zigarettenrauchern. Ebenso wurden die Mediziner bei Biomarkern fündig, die oxidativen Stress auslösen.

Welche Auswirkungen diese Erhöhung der an Entzündungsgeschehen beteiligten Proteine und Biomarker letztendlich auf die Gesundheit hat, lässt sich noch nicht eindeutig sagen. Langzeitstudien fehlen noch.

Elektronische Verdampfer – Chance oder Risiko?

Doch E-Zigaretten pauschal zu verdammen, wäre voreilig. Denn die künstlichen Glimmstängel bieten auch Vorteile. Das zeigt eine Studie des University Medical Center in Georgetown, USA. Modellrechnungen ergaben, dass das vorzeitige Ableben von 1,6 Millionen Tabakkonsumenten verhindert werden könnte, wenn Raucher sich mehrheitlich für den elektronischen Verdampfer entschieden. Profitieren würden vor allem jüngere Gewohnheitsraucher – ein Umstieg auf die Ersatz-Zigarette schlüge bei ihnen mit einer Lebensverlängerung von einem halben Jahr zu Buche. Tatsächlich konnten Ärzte bei Rauchern, die den Umstieg auf die E-Zigarette geschafft hatten, schon nach einem Jahr eine deutliche Verbesserung der Blutdruckwerte und der Lungenfunktion konstatieren.

Also viel Qualm um nichts? Zwar ist der elektronische Glimmstängel weniger schädlich als herkömmlicher Tabakgenuss. Doch werden erst künftige Untersuchungen und Forschungsergebnisse zeigen, welche Auswirkungen der Liquidkonsum wirklich auf unsere Gesundheit hat. Der elektronische Verdampfer mag für manche ein Brückenbauer zum endgültigen Ausstieg sein – doch es geht auch umgekehrt. Besonders Jugendliche fühlen sich vom Lifestyleprodukt E-Zigarette angezogen. Für sie könnte der Liquidgenuss der Einstieg zu einer Raucherkarriere sein. Das macht E-Zigaretten nicht unbedingt empfehlenswert.


von Die Redaktion. 05.12.2017


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